Noch vor wenigen Jahren assoziierte ich das Wort Selbstversorgung in erster Linie mit dem Anbau von Obst und Gemüse, mit dem Wohnen im eigenen Haus auf dem Land, vielleicht auch mit dem Halten von Nutztieren – also mit einer Art Leben auf dem Bauernhof. Selbstversorger waren für mich also im Prinzip Bauern, welche simpel und einfach, meist etwas zurückgezogen lebten, und sich mit Grundbedürfnisse zum Leben wie Essen, wohnen, Kleidung, usw. selbst versorgen konnten. Klingt logisch. Das die Sparte der Selbstversorger jedoch weit größer und vielfältiger ist, und nicht nur puritanische Landwirte umfasst, sollte jeder Person klar sein, die diesen Blog ließt.

Da gibt es junge Menschen zwischen zwanzig und Mitte dreißig, welche lieber im Grünen wohnen wollen und einfach keine Lust mehr haben auf Stadtleben – jedoch nicht einsam und zurückgezogen. Stattdessen in einer Land-WG oder Gemeinschaft, mit regelmäßigem Pendeln in die Metropole, zum feiern, zum selbst versorgen durch containern, …

Da gibt es ältere Menschen, den den Luxus eines Stadtlebens vorziehen – z.B. aufgrund des kulturellen Angebots, oder weil die Familie dort wohnt – sich jedoch erfolgreich mittels Permakultur vom heimischen Balkon aus selbst versorgen

Da gibt es handwerklich begabte Menschen, welche sich ihr Häuschen in einer Kleinstadt oder einem Vorort selbst gebaut oder selbst ausgebaut haben und demnach keine Miete mehr zahlen müssen. Vielleicht gehen sie dafür im Supermarkt oder im Bioladen einkaufen, sind aber dafür anderweitig geschickt und versorgen sich selbst, indem sie Alltagsgegenstände reparieren können, die andere wegschmeißen würden, wie z.B. das Radio, die Waschmaschine, oder das Auto …

Ihr seht, alle diese Menschen sind in gewisser Weise Selbstversorger. Und sicher gibt es noch mehr Facetten dieses Begriffs. Wo also treffen sich die oben genannten Ansichten? Welche Komponente verbindet sie? Streng genommen könnte man ja sogar sagen, dass jede Person, die in der Lage ist sich selbst zu waschen, aufs Klo zu gehen, sich Essen zuzubereiten und die sozialen Kontakte zu pflegen ein Selbstversorger ist. Schließlich versorgt sich die Person selbst mit ihren Grundbedürfnissen (siehe oben Beispiel Bauer). Also sind Kinder ab einem bestimmten Alter auch Selbstversorger? Hmm … Ich stelle die Frage zur Diskussion in den Raum.

Warum ich diese kleinlichen Fragen vorn an stelle hat nur den Grund euch eines aufzuzeigen: WIR ALLE SIND SELBSTVERSORGER.

Wir alle tun es in gewisser Weise täglich, indem wir unseren Haushalt schmeißen, Arbeiten gehen, uns um unsere Kinder und Freunde kümmern. Wir alle tragen Fähigkeiten in uns, uns selbst zu versorgen, und üben diese an jedem Tag des Jahres. Und doch sind viele von uns Menschen mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo sie zwar unglaublich komplexe Maschinen bauen können – und doch verlernt haben wie man sich sein eigenes Gemüse per Hand anbaut. Wir haben gelernt Computer zu programmieren und so mit Menschen am anderen Ende der Welt zu kommunizieren, aber wir wissen nicht mal was für Menschen in der selben Straße wohnen. Wir haben entdeckt wie man in Windeseile mit der Rakete zum Mond und mit dem Flugzeug zum anderen Ende der Welt fliegen kann – aber haben vergessen, dass der längste Weg* nur durch Ruhe und Zeit bewältigt werden kann (*der Weg vom Kopf zum Herzen). Wir können alles, und doch nichts. Wir sind alle Selbstversorger, und doch vermögen sich nur die wenigsten wirklich selbst zu versorgen. Und zwar weil viele von uns bei ihren Höhenflügen den Boden unter den Füßen verloren haben …

Selbstversorger sein heißt in erster Linie zu LERNEN sich selbst mit allen Notwendigkeiten selbst zu versorgen, welche es bedarf, um ein glückliches Leben zu führen. Und dazu zählt nicht primär Nahrungsmittel anzubauen oder Geld zu verdienen – sondern viel mehr um das, was man mit der Nahrung oder dem Geld machen würde: sich Zeit für sich und seine Liebsten nehmen; das tun, was man gern tut;  entspannen und es sich gut gehen lassen. Nahrung ist nicht nur Essen und Trinken, sondern auch die Liebe eines Menschen, wärmendes Sonnenlicht, lang genug schlafen, Zeit nehmen durchzuatmen … All das kann Nahrung sein, und gibt uns Energie – versorgt uns. Sich präventiv um seine Gesundheit zu kümmern heißt sich selbst zu versorgen. Seine sozialen Kontakte zu pflegen (Freunde, Familie, Bekannte, sogar Fremde), heißt sich selbst zu versorgen. Sein Heim zu putzen, sein Mittagessen selbst zuzubereiten, meditieren, joggen gehen, auf seine innere Stimme hören, … all das heißt es sich selbst zu versorgen. Nur vergessen wir genau diese einfachen Dinge viel zu oft in unserem Alltag – welcher eigentlich genau aus diesen Dingen bestehen sollte. Stattdessen sind wir oft so sehr um das vermeintliche Wohl der anderen besorgt, dass wir dabei nicht bedenken, dass wir anderen am besten dann helfen können, wenn es uns selbst am besten geht.

Indem wir lernen hoch wie ein Baum in den Himmel zu wachsen, und doch nicht die Verbindung zu unseren Wurzeln zu verlieren, verstehen wir was es wirklich heißt uns selbst zu versorgen. Hier eine schöne Meditiation zur Erdung, welche euch jeden Tag wieder helfen kann auf den Boden zu kommen, und das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren. Lasst uns alle Lernen uns mit genau dem selbst zu versorgen, was wir wirklich brauchen.

 

(Bildquelle: http://c.gartencenter.de/fa/_processed_/csm_Selbstversorger_Garten_atmo_8c60b5930d.jpg)

 

 

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